Domain-Namen nicht von der Steuer absetzbar

Selbstständige und Unternehmen, die eine Internet-Adresse kaufen, können die Kosten zumindest im Regelfall nicht von der Steuer absetzen. So lautet es heute in einem Urteil des Bundesfinanzhofs in München.

Denn der so genannte Domain-Name sei “ein in der Regel nicht abnutzbares Wirtschaftsgut. Ausgaben für nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter könnten nach geltendem Steuerrecht aber erst geltend gemacht werden, wenn das Gut wieder verkauft werde. Auch eine Abschreibung über mehrere Jahre scheide wegen der fehlenden Abnutzung aus. Ob es davon Ausnahmen geben kann, etwa wenn ein Domain-Name an zeitlich befristete Markenrechte geknüpft ist, ließen die obersten Finanzrichter offen. In jedem Fall könnten die Käufer die Mehrwertsteuer sofort als Betriebsausgaben absetzen.

Der aktuelle Fall geht zurück ins Jahr 2000, wo sich ein Ehepaar eine Domain gekauft hat und dafür umgerechnet über 3.500 Euro + MwSt. gezahlt hatte. Dieses machten Sie in der Steuererklärung als Betriebsausgaben geltend, was das Finanzamt ablehnte und wogegen die Familie dann klagte. Der BFH entschied heute:

Eine Internet-Adresse ist ein eigenständiges Wirtschaftsgut, unabhängig von ihrer Nutzung durch einen konkreten Internet-Auftritt. Allerdings unterliege dieses Wirtschaftsgut keinerlei Abnutzung, weil der Domain-Name zeitlich unbefristet registriert werde.

Hmm, da kann man jetzt wirklich viel hineininterpretieren oder auch nicht und einige Fragen bleiben wie gehabt in Deutschland natürlich mal wieder offen. Zum einen wie sich das bei Projektkäufen, also Domain inkl. Script oder Inhalt verhält und ob dieses auch anwendbar ist bei der Registrierung von Zusatzdomains auf einem Server oder Webhostingpaket. Wenn dann dürfte das viele Webmaster hart treffen, da Domains und Projekte ja oftmals zum größten Teil der betrieblichen Ausgaben zählen und einige Webmaster mit “hohen Domainverschleiß” schnell mal gut im fünfstelligen Bereich p.a. landen. Zumindest darf der Käufer sofort die Mwst. geltend machen, bis jetzt.

12 Comments

  1. Carsten

    Verstehe ich das jetzt richtig, das ich meine jährlichen Domain-Gebühren nicht als Ausgaben aufführen darf? Oder betrifft das nur Domain-Einkäufe? Was interessiert mich das, ob sich Domain-Namen abnutzen, bezahlen muß ich sie trotzdem.

  2. Ich verstehe das so, dass im Grunde genommen auf jeden Fall alle Domains ohne verbundene Dienstleistung betroffen sind, also z.B. Zusatzdomains zu einem Paket

  3. Ben

    Das betrifft natürlich nur Betrag, der beim Kauf einer Domain bezahlt wird. Eben weil die Domain ein eigentständiges Wirtschaftsgut darstellt und sich nicht abnutzt.
    Alle andere Kosten für das Hosting sind im Regelfall dann Betriebsausgaben.
    Wenn man Domains mit Inhalt, Skripten, Datenbanken etc. kauf, sollte man sich halt den Wert für die Domain seperat ausweisen lassen. Dabei aber nicht unrealistisch werden!

  4. Thomas

    Also, wie Ben schon sagt, Domain einfach getrennt ausweisen, dann sind die anderen Kosten für das Projekt natürlich absetzbar.
    Das Domains sich nicht abnutzen bedeutet, dass sie nicht vorhersehbar an Wert verlieren. Also keine Abschreibung über einen bestimmten Zeitraum wie beispielsweise beim Auto, oder als gwg sofort.
    Aber sobald die Domain verkauft oder aufgegeben wird (für Leute mit ‘hohem Domainverschleiß’ – eine schöne Beschreibung! :-))lassen sich natürlich die Kosten absetzen.
    D.h. es ist nur ein echter Nachteil für Leute, die einen teuren Domainnamen kaufen und diesen dauerhaft verwenden wollen.

  5. Carsten

    Ach so, dann bin ich ja beruhigt. Hatte ich wohl irgendwie falsch verstanden.

  6. Dennoch etwas schwachsinnig, dass man solche Kosten nicht als Betriebsausgabe geltend machen kann! Was die MwSt angeht, dies stellt ja nur ein “durchlaufender Posten” für ein Unternehmen dar, also kriegt man die immer zurück…

  7. Mich schockiert das Urteil. Denn es gibt eine Reihe von Unternehmen, die mittlerweile große Investitionen in Domains vorgenommmen haben (einige meiner Beteiligungen gehören dazu). Das bindet unnötig Kapital, welches fehlen wird um Investitionen zu tätigen und damit Arbeitsplätze zu schaffen. Leider passiert in der deutschen Steuerpolitik immer wieder das Gleiche und es führt dazu, dass wir Deutschen nicht so wettbewerbsfähig sind wie unsere Kollegen im Ausland.

  8. Öhm, 3500 Euro für den Erwerb einer Domain. Das ist ja nicht der Normalpreis, sondern da wollte jemand eine ganz bestimmte Domain, die schon besetzt war.

  9. Der Wert einer Domain ist ein ideeler Wert. Anders bei einer Maschine z.B. wo der Mindestwert die Herstellungskosten betragen. Der Kauf eines fertigen Projektes sollte daher aufgeteilt werden. 1. Preis für Domain (ein Domain kostet heute nur paar Euros im Jahr) und 2. für den Wert des Projektes. Da steckt ja bei den meisten die größte Arbeit drin ( Backlinks, SEO etc..) Der Wert ist dann der viel höhere des Kaufpreises und steuerlich absetzbar. Das fällt unter Installationskosten und Marketing 😉 Wenn vom FA abgelehnt, Einspruch einlegen und das Rechtsbehlfsverfahren abwarten. 😉

  10. …Allerdings unterliege dieses Wirtschaftsgut keinerlei Abnutzung, weil der Domain-Name zeitlich unbefristet registriert werde…

    Unbefristet ja wohl nur wenn man bei einem Deutschen Serviceprovider kauft. In USA wo unsere .coms gehostet und gekauft sind bezahlt man diese für 1 bis 10 Jahr im vorraus und diese laufen auch automatisch aus. Also hinckt die Aussage der Richter hier doch, oder? Ich finde es sonderbar das wir die 100 Domains, die in erheblichem Umfang zu unserem Einkommen beitragen, bzw. ohne die Domains gar nicht generiert werden würde, das ich diese Kosten nicht von der Steuer abziegen darf.

    Was passiert wenn man die Domains von einer ausländischen company halten lässt und die Domains an die Deutsche Firma vermietet/verleast?

    Das wäre doch mal eine schöne Sale-and-Lease-back Geschäftsidee.

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